Peace on Earth

Ich sehe wie die Welt sich zum besseren entwickelt, wir kriegen immer mehr Gelegenheiten über die fundamentalen Themen nachzudenken und zur Veränderung beizutragen. Ob am Ende wirklich etwas Besseres entsteht, liegt völlig in unseren Händen und wir sollten es nicht vermasseln. Es ist Zeit aufzuwachen! Da momentan jeder behauptet, dass Schweigen dem Nichtstun ähnelt, wurde ich ermutigt mich zu äußern.

Sowohl die globale Pandemie als auch das Thema Rassismus geben uns die Möglichkeit uns zu vereinen. Das Erstere zeigt uns auf, dass wir trotz all von uns ausgedachter Unterschiede doch in demselben Boot sitzen. Denn wen verschont der Virus? Dem sind die Rassen, Nationalitäten, Alter, Geschlecht völlig egal! So wie die Unruhen in Amerika, die Möglichkeit geben, das alte Konzept von ausgedachten Privilegien anhand der Hautfarbe zu überdenken. Vielleicht wird auch die Erkenntnis folgen, dass unser Klima wichtiger ist als der Profit. Vielleicht werden Menschen etwas nachsichtiger miteinander. Nachsichtiger mit unreflektierten, ungebildeten, verängstlichten Menschen.

Ich bin weiß, dennoch, seit ich in Deutschland lebe, erlebe ich subtil (oder weniger subtil) die Zuweisung auf meinen Platz. Es reicht, dass ich den Mund aufmache und die Menschen meinen Akzent hören. Es wird sofort ein Bild erschaffen: sie trinkt Vodka, sie ist ein Flittchen und gewiss so eine Tussi kann nichts im Kopf haben. 

Ich musste hier Abitur nachholen, es ist ja klar, denn warum sollte das Schulsystem anderer Länder so gut sein wie in Deutschland, hm? Übrigens habe ich dort nur dasselbe wiederholt, was ich in der Schule bereits hatte, bis auf die Geschichte. Die Geschichte hier ist ganz anders, denn wenn es vom Sieger geschrieben wird, unterscheidet sich es. Der Geschichtslehrer hat seine Antipathie mir gegenüber nie versteckt. Nur fand ich seine Argumente mir schlechtere Noten zu geben sehr niederträchtig. Er meinte, er sei sich nicht sicher, ob ich wirklich verstehe, was ich in der Prüfung schreibe, schließlich ist Deutsch nicht meine Muttersprache, vielleicht hätte ich es auswendig gelernt.

Wegen der Sprache werde ich ziemlich oft in die Ecke gedrängt. Daher bekam ich natürlich schnell Komplexe und es kostet mich immer noch Überwindung in der Öffentlichkeit zu sprechen. Daher habe ich auch Jahre lang mich nicht getraut Blogs auf Deutsch zu schreiben, YouTube Channel zu machen, ja allein die Klassen auf Deutsch zu unterrichten war für mich eine sehr große Hürde. Das Problem ist, dass wenn ein Mensch (noch!) nicht ein Wort auf Deutsch kann, wird er als dumm angesehen. Doch niemals als schlau, weil er andere 2947028 Wörter bereits gelernt hat. 

Noch nicht lange her, hatte ich einen Vorfall bei der Bank, als ich ebenso auf meine Herkunft hingewiesen wurde. Ich hatte es damals in Instagram Stories geteilt und die Bank hat rasch reagiert. Klar, das Thema der Nationen in Deutschland ist ein Trigger Punkt für die Öffentlichkeit. Doch ändert es etwas im Alltag? Ich bin weiß, wie gesagt, die Herabwürdigung, die ich bekomme, hat meistens was mit meiner Sprache zu tun, oder schließlich mit ein paar Vorurteilen. Als ich jung geheiratet habe, einen Mann, der wesentlich älter war, haben mich seine Freunde nie ernst genommen und immer wie ein Flittchen behandelt, die nur seinem Geld hinterher war. Was kann man auch von einer Frau Osteuropäischer Herkunft erwarten, hm? Ich möchte es mir nicht ausmalen, wenn ich andere Hautfarbe gehabt hätte. 

Ich bin in Kirgisistan geboren und aufgewachsen, es ist in der Mitte Asien, wird hier eher Zentralasien genannt. Meine Muttersprache ist russisch, hat aber nichts damit zu tun, dass ich aus Russland wäre. Jeder Deutscher flippt aus, bei der Verwechselung zwischen Deutschland und Österreich, doch jeder der Östlich von Deutschland kommt ist einfach aus Russland. Naja, ich werde vermutlich jetzt das Weltbild zerstören, aber allein in Russland sind Menschen sehr unterschiedlich je nachdem, wo sie herstammen. Man bedenke, um das Land einmal quer zu überfliegen, braucht man 8 (!) Stunden! Doch der Deutsche aus Wiesbaden und Mainz ist natürlich sehr unterschiedlich. Sehr! 

In Kirgisistan werde ich, dank meines Nachnamens – Rotermel, der deutsch für jeden klingt, außer für Deutsche, immer wieder gefragt, woher dieser Name überhaupt herkommt? Dank meines Nachnamen wurde ich seit Kindheit deutsches Schwein oder Faschistin genannt. Kinder finden so was sehr witzig! Doch woher wissen es die Kinder? Dass es witzig ist und überhaupt solche Begrifflichkeiten? Tadaaa! Von Zuhause! Und hiermit bin ich zum wesentlichen Punkt meines Monologes angekommen. Alles beginnt zu Hause. Man kann lange der Gesellschaft Schuld geben, aber was ist die Gesellschaft? Wir sind die Gesellschaft! Und die Wertevermittlung beginnt in den eigenen vier Wänden. 

Ich möchte mir nicht ausmalen was es ausmacht asiatische Augen zu haben oder dunkle Haut, denn dies sind offensichtliche Merkmale für ein Unterschied zu typischem Europäer. Nur wenn der typische Europäer ein DNA Test machen lassen würde, wüsste er, dass er niemals ein typischer und reiner Europäer ist! Wenn ein typischer Europäer sich mit der Wissenschaft beschäftigen würde, wüsste er, dass die Tatsache, dass er hier geboren wurde, allein dem Zufall unterliegt und dass wir die Ständegesellschaft schon längst abgeschafft haben, dass selbst der Begriff Rasse sich nicht durchgesetzt hat.

Ich hatte letztes Jahr in der Tat den DNA Test gemacht, denn die Frage nach meiner Herkunft fuckt mich schon längst ab. Neben der Frage wie ich heiße ist das die zweithäufigst gestellte Frage. Ich bin 80% Osteuropäisch und 20% Schottisch-Irisch. Hey! Wie kommen die schottischen Gene nach Kirgisistan? Ich kenne keinen Menschen, der diesen Test gemacht hat und nicht überrascht war. Auch mein Ex-Mann ist dank der Testergebnisse kaum ein Türke, doch für seine Mutter war es immer ein sehr großes Problem und ein Zeichnen meiner Minderwertigkeit, dass ich weder türkisch noch muslimisch bin. Übrigens, mein Ex-Mann hatte einen Witz entwickelt, den er seit er hier lebt, immer wieder gesagt hat. Als ihm mit großzügiger Geste unterzeichnet wurde, wie gut er doch deutsch spräche (der Mensch ist hier aufgewachsen!), antwortete er immer: „Sie aber auch!“

Ich habe unzählige ausländische Freunde, alle mögliche Formen, Farben und Gestalten. Ich habe sie niemals mir danach ausgesucht, doch wir alle können viele Geschichten darüber erzählen, wie man anhand seiner Herkunft zu Recht gewiesen wird. Neulich kam die Polizei zu einer Gruppe Freunde im Park, als sie getanzt haben. Die erste Frage war: „Hallo, sprechen Sie überhaupt deutsch?“ Wie ihr seht, es kann hier sein, wegen der Sprache, in Asien wegen des Nachnamen, sogar in der Familie. Was haben diese Menschen gemeinsam? Sie sind ungebildet, unreflektiert und verängstlicht.  

Ein bestimmtes Wertesystem wird uns vom Klein auf vermittelt. Wir lernen, wie wir uns in der Welt orientieren sollten. Was ist das Gute und das Böse, wem wir vertrauen können und wem lieber meiden. Es ist nicht viel anders als in der Tierwelt. Dabei muss man bedenken, nicht nur die Weißen werden unterrichtet, dass der farbige Mann so und so ist, doch der farbige Mann wächst schon in dem Glauben auf, dass der Weiße auch so und so ist. Dann kommt ins Spiel unser beliebtes ARAS (aufsteigendes retikuläres System), wovon ich beinah in jedem Blog schreibe, und dann ist der Ball am rollen. Es braucht nur ein Paar Einstellungen im Kopf und man wird alles darauf ausrichten, um die Glaubenssätze im Kopf zu bestätigen. 

Als ich vom Vorfall mit George Floyd gehört habe, hat mich weniger die Tatsache schockiert, dass ein schwarzer (schon wieder!) ungerecht behandelt wurde, sondern mich lies die andere Frage Tage lang nicht los. Was muss mit einem Menschen nicht stimmen, um den anderen mit dem Knie ersticken zu lassen? Welcher Hass, welche Ängste und Aggressionen sind dahinter? Woher kommen sie? Bestimmt aus seiner Kindheit, wie bei jedem anderen. Und dann behauptet mir noch beinah jeder er habe keine Gründe zur Psychotherapie zu gehen. 

Jetzt ist die Zeit aufzuwachen! Doch man darf nicht verwechseln, dass man noch längst nicht wach ist, wenn man die ganze Verantwortung auf die Anderen schiebt und „endlich“ den Schuldigen gefunden hat. Man darf sich nicht täuschen lassen, dass man mit Gewalt etwas erreichen kann, außer noch mehr Gewalt. Man sollte mit eigenem Beispiel der friedlichen Haltung (wohl nicht das Schweigen ist damit gemeint!) aufzeigen, dass Veränderung möglich ist, wenn man Nachsicht und Geduld aufweist. Nicht jeder hatte die Gelegenheit in dieser Welt sich so weit zu entwickeln oder zu bilden, dass man die Zusammenhänge erkennt und daraus handelt. Nicht jeder hat die Güte im Herzen erwachsen lassen und Geduld zur Stärke seines Charakters gemacht. Nicht jeder ist bereit sein Bewusstsein zu entwickeln. Denn dies bedeutet Veränderung. Diese jagt Menschen Angst ein. Menschen sind eher bereit in der Angst zu leben, mit dem Schmerz und Leid, als Veränderungen in sich selbst zu vollziehen. Denn diese sind nur möglich, wenn man eigene Glaubenssätze innerhalb des bekannten Wertesystems hinterfragt und diese bewusst mit Willenskraft verändert bzw. ersetzt. Das kostet viel Mühe! Viel konsequenter, harter und permanenter Arbeit! Viel einfacher ist sich einzureden, man verändere etwas, indem man den anderen schadet, diese verletzt, umbringt und leiden lässt, wie man selbst gelitten hat. Dies ist aber keine Veränderung, dies ist die Rache.  

Rache kann nur der niederen Energie entstehen – aus Angst, Schuld und Scham. Wir sollten mehr auf Liebe, Güte, Mitgefühl, Dankbarkeit uns ausrichten. Die Erhöhung der Schwingungen des gesamten Planeten – das wird die globale Veränderung hervorrufen. Solange wir in der Angst und in Schuldgefühlen weilen, werden wir diese nur multiplizieren. Das ist ein Weg, doch keins das nach vorne führt! Wacht auf!

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