Das berüchtigte „Go with the Flow“

In meinem letzten Blog schrieb ich am Ende „Vertrauen“.

Per Duden Definition: „festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit einer Person, Sache.“ Was uns zur nächsten Definition von „Überzeugung“ führt: „feste, unerschütterliche [durch Nachprüfen eines Sachverhalts, durch Erfahrung gewonnene] Meinung; fester Glaube.“ Wie wäre es mit einer festen Überzeugung zu leben, dass das was gerade geschieht einen Sinn hat?

So, wenn in kritischen Situationen, wo Alles (oder das Meiste) aus der Kontrolle gerät, würde ein Europäer eher in Panik verfallen, ein Buddhist (oder Anhänger fernöstlichen Philosophien, zum Beispiel ein Yogi) würde sich zurück lehnen und sagen: „entspann dich“. Genau deswegen, weil alles außer Kontrolle gerät, entspann dich. Du kannst nichts ändern, also bewahre dein Geist im entspannten Zustand.

Das berüchtigte „Go with the Flow“ endet bei den Meisten, wenn sie abseits der Yoga Matte sich befinden, oder wenn der Flow schlicht und einfach eigene Wendungen einnimmt. Doch die Kontrolle an sich existiert gar nicht. Es sind verzweifelte Versuche aus dem Wasser Sahne zu schlagen, doch Wasser bleibt Wasser. Warum wollen wir glauben immer etwas bewirken zu müssen und zu können?

Zunächst führen die Worte „loslassen“ oder die Aufforderung los zu lassen uns in die Irre. Können wir wirklich etwas los lassen? Wohl kaum. Wenn es so weit ist, wenn die Lehre vollständig vollzogen ist, dann tritt die Leichtigkeit und wir glauben los gelassen zu haben. Doch in Wahrheit waren wir es nicht, die aktiv los gelassen haben, sondern ein Menschen, eine Situation etc. hat sein Zweck erfüllt. Jetzt ist es fort. Dann geht es zur nächsten Herausforderung, dann geht es zur nächsten Übung, zum nächsten Level. So lange die Lehre nicht erfolgreich ist, wird sich jeder Umstand nur wiederholen. Die Menschen werden dein Leben nicht verlassen. Das Neue wird nicht eintreten. Egal wie sehr du dich ansträngst und wiederholst „ich lasse los“, egal wie sehr du dir es wünschst und das Neue in dein Leben einlädst. Also, was bleibt da übrig? Vertrauen. Vertrauen dem Prozess.

Lernen ist ein Prozess. Auch diesen wirst du nur sehr bedingt Beschleunigen können. Denn selbst, wenn deine Achtsamkeit dir es ermöglicht, die Aufmerksamkeit auf die aktuellen Prozesse in ihren ganzen Glanz und Tiefe zu richten, du wirst es nicht viel beschleunigen können. Dein Gehirn braucht Zeit um die neuen Synapsen Stränge aufzubauen. Es braucht Zeit zu lernen dieses zu nutzen und nicht die bewährten alten Wege zu gehen. Ja, du kannst deinem Gehirn helfen durch achtsames Umgehen schneller die neuen Wege zu verfestigen, aber bis es gelernt hat, sich für die neuen Synapsenkombinationen zu entscheiden, dauert es. Also, wird es ein Prozess sein und dieser ist unumgänglich. Es ist wahrscheinlich in diesem Prozess das Vertrauen zu verlieren und das Gehirn freut sich umso mehr sich nicht anstrengen zu müssen. Immer wieder kehrt es gerne zu alten Denkmuster.

Nimm aus dieser Formel Achtsamkeit und Selbstreflektion raus und du wirst einen unglücklichen Menschen bekommen, der gerne in der Opferrolle seines ganzen Lebens weilt. Addiere dazu Glaube an Kontrolle und du hast ein frustriertes Opfer. Wenn man bedenkt, dass unser Gehirn nichts anders tut, als immer wieder eigene Überzeugungen zu bestätigen und damit immer wieder dieselben Synapsen Stränge abzurufen, wodurch die selektive Aufmerksamkeit entsteht, haben wir noch die selbsterfüllte Prophezeiung in dem Cocktail dazu.

Kein Wunder, dass ein Buddhist sich in der Krise entspannt zurück lehnt. Wohl wichtig zu bemerken, dass es nicht um eine Untätigkeit geht. Vielmehr um die Bewahrung des bewussten Fokus. Stell dir nur einen Moment vor, was für Aufnahmen würde dir eine Kamera liefern, wenn du den Fokus nicht richtig rückst. So sieht auch deine Realität aus, wenn du in kritischen Situationen dein Fokus verlierst. Das passiert wenn du aus deiner Mitte rausgehst. Wenn du den Fokus verlierst, nimmt dein Gehirn nur zu gerne alte Bekannte Wege. Wenn du in Panik bist, gibt es keine Zeit bewusst sich zu entscheiden, die alten bewährten Wege werden genommen.

Vermutlich einzig Illusion ferne legitime Vorstellung von der Kontrolle ist, wenn es um die Kontrolle des eigenen Geistes geht. Um Verwirrungen gleich aus dem Weg zu räumen, wenden wir uns den zwei Definitionen dessen. Eine ist eine dauernde Überwachung, Aufsicht, der jemand oder etwas untersteht. Diese bezieht sich eben auf den Geist. Diese sollten wir praktizieren. Wir sollten den Geist überwachen, einen inneren Aufsichtsmeister einstellen, der uns über Geistesfluktuationen treu berichtet. Doch er braucht Raum und Ruhe, sonst flüchtet er in die tiefste sicherste Ecke und schließt sich da ein.

Die andere Definition lautet: „Herrschaft, Gewalt, die man über jemanden, sich oder etwas hat.“ Die ist irreführend. Wenn wir glauben, dass mit Gewalt etwas anderes als Gewalt zu erreichen sei, dann blicken wir in die Geschichte der Menschheit zurück und vergewissern uns. Es war noch nie der Fall!

Das Vertrauen ist möglich. Das vertrauen ist nötig. Es ist eine sanfte Art die Wirklichkeit zu beeinflussen, aus dem Inneren heraus. Durch die Lenkung des Geistes in das Vertrauen, in die feste Überzeugung, dass alles seinen Gang hat, dass du ein Teil des Ganzen bist und dich immer am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt befindest, erlaubst du dem Universum, für dich die beste mögliche Version der Realität zu gestalten. Wenn ein Wiederstand in dir aufkommt, wenn du glaubst, dass diese Philosophie weit von der Realität entfernt ist, dann erlaube dir einen Blick zurück und beantworte dir ehrlich die Frage: „Gibt es etwas sinnfreies in deinem Leben?“ und ich wette so ist es nicht. Dass dir vielleicht die Lehren des Universums nicht gefallen haben, kann gut sein. Dass du die Lektionen immer noch nicht gelernt hast, a.k.a. „nicht los gelassen hast“, auch das ist möglich. Aber einmal, nur ein einziges Mal, begib dich in den Flow, voller Vertrauen, Go with the Flow.

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