Schön? Dann aber ganz schön!

Diese ewige Diskussion um den schönen Körper und armseligen Geist. Es wundert mich, dass da überhaupt ein Raum für Debatte entstehen kann. Was ist da wohl schief gelaufen? Für mich war ein schönes Aussehen schon immer ein Zeichen für die schöne innere Welt. Denn jedes Aussehen, ausnahmslos, sendet eine Unmenge an Information über seinen Träger.

Seit die Menschheit existiert, wenn nicht sogar genau deswegen, gibt es eine natürliche Prädestinierung für das Schöne. Ja, das Schönheitsideal mag sich immer wieder gewandelt und verändert haben. Jedoch, Symmetrie, Proportion und gesundes Aussehen, waren, sind und bleiben für immer als DIE Kriterien für die Schönheit erhalten. Nehmen wir an, es stehen vor dir zwei Menschen, die absolut identische innere Werte besitzen und absolut gleich gebildet sind, beide sind bestens erzogen und beide unterscheiden sich nicht in ihren grundlegenden Charakterzügen. Nun, einer davon hat kein gepflegtes Aussehen. Dabei geht es wohl nicht um den Kleidungsstil, sondern, einer hat einfach Haare wie Stroh, braune Zähne, gekringelte Nägel, eine gekrümmte Haltung und strengen Körpergeruch. Es ist absolut natürlich und normal, dass man dem anderen eher entgegenkommen würde. Ohne, dass du über die tolle innere Welt erfährst, Genetik wird dich unbedingt zu einer gesünderen Version locken. Was ist also so verkehrt, wenn ein Mensch die anderen nach ihrem Aussehen beurteilt? Gar nichts. That’s it. Es ist natürlich.

Wer regt sich dann um die Menschen, die ihr Äußeres pflegen? Natürlich die, die sich um das eigene Äußere nicht scheren. Bzw. ganz tief kümmert es sie schon, aber statt zuzugeben, wieviel Arbeit dahinter steckt, ist es viel leichter, die gutaussehenden Menschen auf ihr Äußeres zu reduzieren und dazu noch sie sogar zu kritisieren. Nun, wissen wir, je mehr uns etwas an einem aufregt, umso mehr hat man es nötig, dies in sich zu bearbeiten.

Die Neuigkeit wird womöglich für manche sein, dass gerade schöne Menschen besonders schön von innen sind. Um sich um sich selbst zu kümmern, muss man viel Liebe für sich selbst empfinden, Zeit in sich investieren und diese gut managen, Disziplin aufbringen und Willenskraft erwachsen lassen. Dies sind keine angeborenen Fähigkeiten. Zu erzählen, man habe keine guten Gene oder man sei nicht mehr jung – sind die ersten Anzeichnen von einer schön geschmückten Selbstlüge. Es ist nichts anders, als „ich bin faul, habe keinen Willen, und Disziplin ist ein Fremdwort für mich.“ Ich kenne keine Menschen, die über die Schönen sich plagen, aber selbst nicht gerne über Nacht schön geworden wären.

Das Schöne an dem Ganzen ist, dass man gar nicht Schönheit und innere Werte zu polarisieren braucht. Man sollte die beiden zusammenführen. Eine interessante Beobachtung ist, dass ich keine von innen schönen Menschen kenne, die außen hässlich wären. Wenn man drinnen schön ist, das heißt, durchaus gebildet, ausgeglichen, neidfrei, willensstark, empathisch, ehrlich (besonders mit sich selbst) und freundlich, ist man apriori von außen schön. Kein gebildeter Mensch würde es nicht wissen, dass das was er trinkt, isst, wie viel er schläft, was er denkt und wie viel er sich bewegt, unmittelbar auf seine Gesundheit und dementsprechend auch auf sein Äußeres einen Effekt hat. Kein willensstarker Mensch würde sich dagegen entscheiden, an diesen Faktoren zu arbeiten. Kein empathischer und ehrlicher Mensch würde sagen, es sei völlig egal für seine Mitmenschen, wie er aussieht.

„Los Mädels, quält euch für einen Körper, den die Medien zum Idealbild erklären. Euer Lohn ist ein Idiot, der euch dann auf diesen reduziert.“

– das ist ein idiotisches Zitat, das mich dazu bewegt hat, dies hier zu schreiben. Eine undurchdachte Aussage mit einem absoluten Fehlschluss, der letztendlich darauf hinaus läuft, dass es sich nicht lohnt, auf sich zu achten.

Zunächst habe ich nachgeschlagen, was das „Idealbild von Medien“ sein sollte. Die Antwort ist wie zu erwarten:

„Schlanker Körper, reine Haut, volles, glänzendes Haar, weiße Zähne, hohe Wangenknochen, ebenes Gesicht; die Liste der gezeigten Frauenbilder in der Werbung ist endlos. Vor allem junge Frauen sind Protagonisten vieler Werbeinhalte.“

Und dies ist nichts anderes, als ein gesunder Körper. (Was übrigens auch für Männer gilt.) Ja, weil Übergewicht oder Anorexie nicht gesund sind und das braucht man wohl nicht zu erklären. Weil unreine Haut, dünnes und glanzloses Haar und brüchige braune Zähne – ein Signal sind, dass im Körper etwas nicht in Ordnung ist. Junge Frauen und Männer werden für Werbung ausgesucht, weil wenn man jung ist, diese Kriterien leichter zu erfüllen sind. That’s it.

„Ihre Darstellung und ihr überhöhtes Idealbild sind seit Jahrzehnten in der Werbelandschaft vorherrschend. Oft geht es gar nicht um die Schlankheit und Schönheit an sich, sondern um die Botschaften, die dadurch vermittelt werden. Schlanke Frauen sind diszipliniert, sind erfolgreich im Beruf, in Beziehungen und werden von ihrem Umfeld respektiert.“

Kein Wunder! Das ist genau das, was ich oben beschrieben habe. Um gut auszusehen braucht man gewisse innere Eigenschaften und die wird man schon auch in anderen Sphären des Lebens einsetzen. Wenn man diszipliniert, empathisch, willensstark, freundlich und gebildet ist, hat man selbstverständlich bessere Chancen im Beruf oder/und Privatleben erfolgreich zu werden. Dies gilt wieder absolut geschlechtsunabhängig.

Wer will mir nun weismachen, dass ein Mensch mit diesen Eigenschaften mit einem Partner belohnt wird, der ein Idiot ist, der ihn nur auf sein Äußeres reduzieren wird? Die Faulen, Neidischen und Unehrlichen können sich weiterhin mit diesem Märchen beschwichtigen. Irgendwie muss man ja auch seine Schwäche vertuschen, wenn man daran nicht arbeiten möchte. Das ist die schöne innere Welt, die sich hinter dem unwichtigen Aussehen dieser völlig vorurteilfreien Menschen verbirgt.

Original Titel: Schön? Dann aber ganz schön blöd!
Photographie: Roman Gorskin

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