Über die (moralische) Unterstützung.

Ein altes russisches Sprichwort besagt „Друг познается в беде.“ – Den Freund erfährt man in der Not. Oder auf Deutsch auch „Ein Freund in der Not, Ein Freund im Tod, Ein Freund im Rücken. Das sind drei starke Brücken.“ Ich weiß genau wer meine Brücken sind und bin unendlich dankbar dafür. Es ist nicht nötig zu erzählen, dass die Brücken mir Yoga beschert hat. Ich habe so tolle Menschen dank Yoga kennen gelernt, ich habe noch nie so viel Unterstützung, Verständnis und Liebe erfahren! Danke!

Leider gibt es auch eine andere Seite der Medaille, neulich durfte ich wieder ein Paar Menschen erfahren, die es nicht hingekriegt haben sich aus dem Mittelpunkt zu ziehen und statt mich zu unterstützen, haben gnadenlos ihren Pfund Salz auf meine Wunde geschmissen. Es ist ok, so lernt man Menschen kennen. Dieses Blog soll nicht der Selbstmitleid gewidmet sein und auch nicht Menschen kritisieren, die es nicht anderes können. Ich wollte nur ein Paar Denkanstöße geben, falls jemals jemand sich zu dir wendet und du genug Empathie zusammenkratzen kannst, um zu bemerken, dass dieser Jemand deine Unterstützung sucht, dann:

Hör zu.

So einfach das auch klingt, die meisten kriegen es nicht hin. Schon in einer gewöhnlicher Konversation nicht, aber wenn es um einen Kummer geht noch weniger. Es liegt in unserer Natur eher von sich selbst zu reden und sich für sich selbst zu interessieren, als für Andere. Aber man kann es lernen, versprochen. Was dann passiert ist einzigartig und sehr spannend! Man kennt den Menschen noch viel besser lernen, Empathievermögen steigt und man bekommt immer Dankbarkeit zurück. Wenn ein Mensch leidet und traut sich dir zu offenbaren, dann höre ihm zu. Das ist ein großer Moment, wo ein Mensch dir sein Vertrauen schenkt, vermassle es nicht.

Belehre nicht.

Jeder hat sich schon mal traurig und zusammen gebrochen gefühlt. Am wenigsten braucht man dann noch eine Belehrung oben drauf. Das brauchen wir alle grundsätzlich nicht, denn wir wissen, alles kommt eher von Innen; wenn ein Mensch etwas aus der Situation lernen kann und will, wird er es tun. Lass ihm doch Zeit und Raum um erst zu trauern oder wütend zu sein.

Interessiere dich für.

Es ist ein großer Unterschied zwischen „ich interessiere mich für dich und dein Kummer“ und „erzähl mal schnell auf dem Weg zum Parkplatz, ich habe gerade zwei Minuten“. Wenn du beabsichtigst einen zu unterstützen, dann schenke ihm doch bitte deine Zeit und Aufmerksamkeit. Genau das wird als Interesse wahrgenommen. Nicht die neben bei gesagte Worte „ich interessiere mich für dein Kramm“ während du ins Handy starrst.

Finde aufbauende Worte (eventuell auch Taten).

Wir alle wissen was einem gut tut, seien es auch nur Worte die das Ego für den Moment streicheln, oder französische Macarons, die eventuell der Figur schaden könnten, alles besser, als mit deiner subjektiven Wahrheit rauszurücken und zu behaupten, man sei selbst an allem schuld, oder noch schlimmer „das hast du dir verdient“. Wie bitte? Wer bist du? Mein(e) Freund(in) oder Personifikation des Karmas?

Aber:

Stell keine (idiotischen) Fragen.

Wenn die Frage lautet „wie fühlst du dich?“ während deine Freundin in Strömen weint – es ist wahrhaft idiotisch. Genauso schlimm „was hast du jetzt vor?“ Frag lieber ob Kakao mit Marshmallows oder ohne sein soll.

Intrigiere nicht.

Komm bitte nicht auf die Idee sich in der Situation aktiv einzumischen, zumindest nicht ohne eine Rücksprache mit deinem Freund. Auch wenn du es gut meinst, wird es höchstwahrscheinlich nicht gut ankommen. Nicht als Unterstützung, viel mehr als die Rücksichtlosigkeit dem Freund gegenüber.

Vergiss wer Recht hat.

Man darf sich die Rechthaberei grundsätzlich abgewöhnen. Aber wenn es um Unterstützung geht, dann erst recht! Vergiss wer Recht hat, die Wahrhaftigkeit der Gefühle ist vollkommen unabhängig davon wer im Recht ist. Zeige deine Loyalität, wenigstes jetzt, mit der Absicht zu unterstützen. Auch wenn deine Freundin dumm war und offensichtlich sich selbst in die Lage gebracht hat, darf die Andere immer noch ein „Bitch“ sein.

Nimm dich aus dem Mittelpunkt.

Kann man vielleicht auch mal nicht über dich reden? Dein(e) Freund(in) weiß wie erleuchtet du bist, taff, therapiert und reif im Geiste. Wen interessiert es gerade? Akut ist er (sie) in der miese Lage und nicht du mit deiner außerordentlichen Erfahrung und unendlichen Weisheit. Also, her mit konstruktiven Vorschlägen und bedingungslosen Liebe!

Letztendlich kann man sich daran erinnern wie es dir ging, als du so was wie Nervenzusammenbruch hattest und stell dir vor, deine Freundin würde dir nicht zuhören, aber zwischen durch mit der subjektiven Weisheit rausrücken, dies in belehrenden Form, ein Paar Geschichten erzählen, dass sie es alles schon durchgemacht hat und abschließend hinter deinem Rücken „alles regeln“. Dann aber, weil es nicht genug ist, dich (natürlich idiotisch) Fragen „geht es dir jetzt besser?“ und weiter in das Handy starren.

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