Die Essenz

Die Räder drücken so fest in den Boden, wie ich mich an deinen Rücken. Vertrauen. Die Räder gleiten über die Straße und die Sterne gleiten über dem Himmel. Vertrauen. Die Sterne sind am Himmel, aber ich sehe durch sie. Ich spüre meinen Herzschlag. Schlägt es im Takt mit deinem? Das Licht der Sterne ist Vergangenheit, es erreicht mich in meiner Gegenwart und wird zu meiner Gegenwart. All die Empfindungen sind meine Gegenwart. Deine Wärme ist meine Gegenwart. Vertrauen ist meine Gegenwart. Ich lasse alles zu und möchte den Augenblick festhalten, damit ich später hierher zurückkehren kann, in diese meine einzigartige Gegenwärtigkeit. Die Luft ist außergewöhnlich warm. Die Luft ist warm, weil vor ein paar Stunden noch der nächste Stern zu uns – die Sonne schien, und so hell, so strahlend wie es nur an klaren wolkenlosen Tagen möglich ist. Jetzt sind die anderen Sterne dran. Ich schien so strahlend, mein Geist war so klar, wie es nur an mit Liebe erfüllten Tagen passieren kann. Jetzt bist du dran.

Der Körper liegt entspannt unter der Sonne. Kein Muskel rührt sich. Nur der Geist, er reist so weit weg von hier, dass nur die Wärme von der Sonne und Gerüche vom frischen grünen saftigen Gras unter dem Körper ihn gelegentlich zurückholen. Nichts. Deine Stimme ist still. Das Wasser ist zu weit um zu stören. Die Geräusche sind nicht da. Aber du. Dein Körper, entspannt wie meiner, flüchtig berührt ihn und neue Sterne entstehen, ganze Galaxien brechen zusammen und all die möglichen Dimensionen lassen mich durch sie hinfallen. Verbindung. Ich spüre und damit entsteht ein neues Wissen, ich fühle, ich erfahre dich. Es geht über die Körperberührung hinaus. Die Geister berühren sich. Verbindung.

Nichts, wirklich gar nichts kann man aus sich ausquetschen. Keinen Ton. Keinen Wunsch. Keine Liebe. Wie ein glühendes Licht ruht alles in mir. Alles was es je gab, ist und geben wird. Nur die Äußerlichkeiten, nur die Essenz, versteckt und doch leicht greifbar, in jedem Augenblick, in jeder Dimension, die nach jeder meiner Entscheidung entsteht, kann dieses Licht zum Feuer entflammen lassen. Kein Mensch. Kein Umstand. Kein Ereignis. Aber ein Geist, der sich in einem unwiederholbaren Augenblick zu mir richtet. Er ist in einem Umstand gefangen, er ist ein Teil des Ereignisses, er bewohnt einen Menschen, aber nicht sie berühren meinen Geist. Sie sind ein Vakuum. Der Geist ist Puzzle aller Elemente. Sie reagieren miteinander. Nur sie.

Dein Blick geht durch mich. Dein Blick erreicht mich nicht. Er hört früher auf, bevor er meinen Körper erreicht. Du versteckst die Augen. So, als ob sie der einzige Zugang zu deinem Inneren wären. Ich will dich nicht berühren. Deine Worte kommen an. Sie sind schärfer als Macheten, sie sind kälter als die Antarktis, bitterer als Gin, sie sind verzweifelt. Du bist verzweifelt. Sie erreichen mich. Sie erreichen meinen Körper und hören dort nicht auf. Sie dringen in mein Herz hinein und hören dort nicht auf. Sie umhüllen meinen Geist. Er ist wehrlos. Das Licht erlischt, das Vertrauen verflüchtigt, die Dunkelheit, wie ein schwarzer Schleier, legt sich um die Liebe. Trauer.

Ein tiefer Atemzug. Zweiter. Dritter. Wie lange noch? Womöglich eine Ewigkeit. Hindurch von Sternen erstrahlt kommen die ersten Blüten. Das Sternenlicht ist in der vergangenen Gegenwärtigkeit meiner Gefühle, für dich, durch dich und um dich gefangen. Vertrauen. Verbindung. Liebe. Alles war, ist und wird in mir ruhen. Mein Geist ist ein unerschöpfliches Reservoir. Die Galaxien sind zusammen gebrochen, das neue Wissen hat das alte übertroffen. Das Vakuum um mich und das glühende Licht in mir kann nicht erlöscht werden.  All die Empfindungen sind meine Gegenwart. Meine Wärme ist meine Gegenwart. Vertrauen ist meine Gegenwart. Ich lasse alles zu und es entsteht ein neues Mosaik. Ich erfahre es – Liebe.

Bild: Marina Vetrova

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